Das Reich der sieben Höfe – Eine Abrechnung

Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich wirklich noch eine Rezension zu dem zweiten sowie dritten Band von Das Reich der sieben Höfe (im Englischen A Court of Thorns and Roses, ich werde daher im weiteren Verlauf die Abkürzung ACOTAR nutzen, die auch unter deutschen Fans gängig ist) schreiben soll, aber auf einem Blog sollten ja nicht nur positive Rezensionen zu finden sein. Obwohl ich dies weniger als Rezension als als persönliche Abrechnung zu dieser Reihe sehen würde. Dies ist meine Meinung und damit höchst subjektiv und wird auch einige Spoiler enthalten, da ich über einige Dinge schreibe, die mich gestört haben.

Das Reich der sieben Höfe, Foto by Kimi

Damit wir uns nicht falsch verstehen

Eine Warnung für alle Fans: Diese Text wird nicht positiv, er wird weder die Story noch die Autorin in höchsten Tönen loben. Für viele ist Sarah J. Maas die Königin der High Fantasy – mich konnte sie mit dieser Trilogie überhaupt nicht überzeugen. Mittlerweile wurde mir von einigen gesagt, dass Throne of Glass besser sein soll, aber ich bin immer noch unentschlossen, ob ich mich tatsächlich herantrauen soll, nachdem ich mich bei ACOTAR regelrecht durch quälen musste.

Das Reich der Langeweile

Bei ACOTAR hört man oft, dass der erste Band nicht so gut sein soll, dafür dann aber Band zwei und drei so richtig richtig gut. Leider bin ich darauf reingefallen… Ich fand den ersten Band noch fast am besten. Eine ausführliche Rezension zu Band 1 findet ihr hier. Meine größte Kritik: es ist einfach total langweilig, weil kaum etwas passiert. Zu 85% wird nur geredet, 5% der Reihe sind Sex und in den restlichen 10% passiert dann tatsächlich mal etwas. Für meinen Geschmack gab es zu viele Wiederholungen (Stichwort Knochenbrecher, das Monster in der Bibliothek von Velaris), die Charaktere konnten mich auch nicht überzeugen.

Special snowflakes

Feyre empfinde ich persönlich als nervig, erst ihr Rumgejammere, dann die Abfuhr, die sie Tamlin erteilt hat (dazu später noch mehr), ihr Verhalten, als sie erfährt, dass Rhysand und sie Seelengefährten sind und er ihr nichts davon gesagt hatte. Sie ging mir einfach auf den Geist.

Rhysand war im ersten Band vielversprechend – ein dunkler Charakter mit Tiefe – verkommt dann aber leider zu einem weichgespülten Langweiler (der Feyre ständig anbietet, sie oral zu befriedigen).

Seine Gefolgschaft besteht aus speziellen Schneeflöckchen, die alle irgendeine super einzigartige Begabung und ein tragisches Schicksal aufzuweisen haben. Im Übrigen sind sie alle mega stark, sowohl physisch wie auch psychisch, aber da hat mich der Aspekt mit dem 500jährigen Trauma bei Mor, dass sie zu einem wimmernden Häufchen Elend macht, ehrlich gesagt nicht überzeugt bzw. war mir etwas unverständlich. Nicht das Trauma an sich, was sie durchgemacht hat, war schrecklich, aber so stark wie sie die ganze Zeit dargestellt wurde, hätte ich angenommen, sie hätte damit abgeschlossen und würde darüber stehen (ich will das nicht herunterspielen, aber wir reden hier von 500!! Jahren).

Feyres Schwestern Elaine und Nesta werden natürlich auch zu High Fae, die ebenfalls spezielle Begabungen haben. Mit Nesta wurde ich die ganze Reihe über nicht warm, ich kann mich kaum an einen unsympathischeren Charakter erinnern.

Für fast jeden Charakter wird ein Love Interest geboten. Meine Vermutung hierzu lautet, dass die Autorin sich direkt die Möglichkeit mit weiteren Bänden absichern wollte, um die Kuh noch weiter zu melken. In Anbetracht, dass tatsächlich ein weiterer Band erscheint, ist diese Theorie gar nicht so weit hergeholt.

Die Bösewichte

Der König von Hybern blieb durchgängig oberflächlich, seine Motive zu simpel und allgemein hatten wir hier ein schwarz-weiß-Malen vom Feinsten – er war einfach nur böse.

Tamlin… ja. Viele Fans hassen Tamlin ja. Auch ich fand sein Verhalten unter dem Berg im ersten Band total daneben, sein Schweigen und Nichtstun waren grausam. Aber wie er direkt zu Beginn des zweiten Bandes dargestellt wurde…

Hier hat es sich die Autorin m.M. extrem einfach gemacht à la „Ich brauche einen Bösewicht? Ok, Tamlin. Krasse Charakterwende, aber ich stelle es so dar, als wäre er eigentlich schon immer so gewesen, werden die Fans schon schlucken.“

Ständig hat Feyre nur rumgejammert und überhaupt war ja Tamlin an allem Schuld – ich werfe jetzt einfach mal in den Raum, dass miteinander reden eventuell zu einer Lösung hätte verhelfen können. Nicht nur sie hatte ein Trauma zu verarbeiten. Dass Tamlin einem Zweizeiler von Feyre, dass sie freiwillig gegangen ist, vielleicht anzweifelt, weil sie weder lesen noch schreiben konnte, als sie weg ging, ist zumindest für mich gar nicht so unverständlich. Dass er sich wie ein Arschloch verhält, als sie wieder aufeinandertreffen? Ich kann es auch irgendwie nachvollziehen, da er sie noch immer liebt – was nicht heißt, dass ich sein Verhalten gutheiße. Trotzdem: #teamtamlin

Lang ist nicht gleichbedeutend mit gut und auch nicht mit viel Inhalt

Jeder Band der Reihe war länger als der vorherige, was ich nicht als positiv empfinde, weil – wie bereits erwähnt – einfach nichts passiert. Man hätte die ganze Reihe getrost um 50% kürzen können, das hätte dem Inhalt keinen Abbruch getan.

Ich habe beim dritten Band parallel noch das Hörbuch gehört, um es so schnell wie möglich durch zu kriegen, ich habe trotzdem einen geschlagenen Monat dafür gebraucht. Das Hörbuch hat mich dank der extrem weinerlichen Stimme der Leserin auch nicht überzeugen können.

Abschließend sei gesagt…

Alles in allem kann ich eines mit Sicherheit sagen: Ich werde diese Reihe nie wieder lesen. NIE WIEDER. Und auch die Folgebände reizen mich null, insbesondere Band 5 (Band 4 war ja anscheinend nur eine Überbrückung zu den neuen Geschichten), welcher sich um Nesta und Cassian dreht. Der Hype um diese Reihe ist mir völlig unverständlich und ich würde an meinem Verstand zweifeln, wenn nicht in meinem Freundeskreis drei Leute wären, die es ebenfalls gelesen/angefangen haben und es ebenfalls langweilig finden. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und so hat natürlich auch ACOTAR seine Daseinsberechtigung. Nur nicht in meinem Bücherregal.

Und nun dürfen mich die Fans mich gerne in den Kommentaren grillen 🙂

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