Sonne und Beton, geschrieben von Felix Lobrecht, erschien bereits 2017 als gebundene Ausgabe bei Ullstein fünf. Am 30.09. diesen Jahres erschien dann das vom Autor selbst eingelesene Hörbuch bei Lübbe Audio. Mit eben diesem Hörbuch beschäftige ich mich in diesem Beitrag.
Ich bin vor einigen Monaten dank Kimi auf den Podcast Gemischtes Hack von Felix Lobrecht und Tommi Schmitt gestoßen und seitdem auch ein stolzer Hacki. Mit Sonne und Beton liebäugelte ich schon eine Weile und als man sich dann bei der Bloggerjury auf ein Rezensionsexemplar des Hörbuchs bewerben konnte, versuchte ich mein Glück. Und tatsächlich hat es auch geklappt, vielen Dank für das Hörbuch!
Worum geht es?

Wir begleiten den 15jährigen Lukas und seine Kumpels durch die Gropiusstadt in Neukölln. Es ist Sommer und ihr Alltag wird neben der Schule von Alkohol, Gras und auch Gewalt beeinflusst. Dann treffen sie eine riskante Entscheidung.
Der Schreibstil
Der Schreibstil ist einfach und locker und verspricht leichte Kost (ein Fehlschluss, wie sich herausstellt). Die Dialoge sind sehr umgangssprachlich und realistisch dargestellt, auch wenn sie im ersten Moment etwas überraschend waren. Was tatsächlich aber nur damit zusammen lag, dass ich einfach unter anderen Umständen aufgewachsen bin und eine komplett andere Ausdrucksweise habe. Allerdings ist der Slang nicht unbekannt. Und im Anbetracht dessen, wo der Roman spielt und aus welcher „Schicht“ die Jugendlichen stammen, wäre eine andere Ausdrucksweise vermutlich wenig authentisch rüber gekommen.
Dementsprechend irritieren mich Rezensionen, die die Dialoge kritisieren – in perfektem Hochdeutsch hätte man nicht glaubwürdig so ein Bild vermitteln können.
Fazit zu Sonne und Beton
Erst einmal: Felix Lobrecht macht einen super Job! Man merkt, dass er sich gut darauf vorbereitet hat und ich finde, dass er im Verlauf der Geschichte immer besser wird. Ich bin außerdem froh, es gehört zu haben und denke, dass ich hier dem Hörbuch auch den Vorzug gebe, weil die Dialoge selbst gelesen vermutlich nie so rüber kommen.
Als Hacki erkennt man außerdem einige autobiografische Züge (z.B. Neukölln; Lukas ist Halbwaise und wächst bei seinem Vater auf; der kolumbianische Freund; die Armut).
Mich hat Sonne und Beton gepackt und ich habe besonders nach der erwähnten Entscheidung mitgefiebert und war gespannt, wie das ganze aufgelöst wird. Das Ende kam dann aber so plötzlich, dass ich nicht damit gerechnet hatte. Es ist ein offenes Ende, was grundsätzlich kein Problem ist. Aber hier eher das Gefühl gibt, dass einfach mittendrin aufgehört wurde. Der Zeitungsartikel, welcher auf der Hülle abgedruckt ist, gibt wenigstens noch ein wenig Auskunft (und beruhigte mich etwas).
Felix schafft es, ein realistisches Bild über die Lebensverhältnisse von Jugendlichen aus den unteren Schichten darzustellen. Die versprochenen schnellen Dialoge voller Witz waren für mich wenig lustig. Tatsächlich empfand ich die Grundstimmung als ernst und teilweise sehr bedrückend, wenn man bedenkt, dass es genug Kinder und Jugendliche in Deutschland gibt, die unter solchen Umständen aufwachsen und keine wirkliche Perspektive auf ein besseres Leben haben. Und genauso ist es letztendlich auch bei den Protagonisten in Sonne und Beton. Es gibt keine Hoffnung, dass die vier aus ihren vorgefertigtem Lebenslauf ausbrechen. Es gibt keine bahnbrechende Charakterentwicklung und einen Lichtblick, dass ihnen eine glorreiche Zukunft bevorsteht.
Mir hat Sonne und Beton gut gefallen, es ist eine durch und durch authentische Milieustudie. Und trotzdem kam mir das Ende zu plötzlich, ich empfand es als zu abgehackt. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass es einige Leute gibt, die ein Problem mit den Dialogen und dem inflationär verwendeten Begriff ‚Dings‘ haben (das ich selbst viel zu oft verwendet habe in letzter Zeit, Hörbuch sei Dank 😉 ), aber das ist kein Kritikpunkt, sondern dann deren Problem… Für das Ende gibt es einen Stern Abzug, somit gebe ich 4 von 5 Sternen.

Und zu guter Letzt: die Spoiler
Viel gibt es hier eigentlich nicht zu sagen, außer vielleicht für diejenigen, die jetzt neugierig sind, von welchem Ende ich hier die ganze Zeit geschrieben habe 😉
hey blödes ende ehrlich so
Etwas späte Antwort… I feel you ^^“. Aber es soll ja ein zweiter Teil kommen, ich bin gespannt.
Sanchez war Kubaner, nicht wie Du schreibst Kolumbianer.